Multiplikatoren-Netzwerk

Hintergründe

Was ist Nachhaltigkeit?

“Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.”

Bericht der Brundtland-Kommission, 1987

Die Lebensweise in den Industrie- und mittlerweile auch in den sogenannten Schwellenländern ist durch hohen Konsum, hohe Ressourcennutzung, hohen Energieverbrauch, hohes Verkehrsaufkommen und hohe – teilweise giftige – Abfallmengen geprägt. Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung stellt die engen Beziehungen, die zwischen Lebensstil, Umweltqualität und einer gerechten Verteilung der Ressourcen bestehen, in den Vordergrund.

Es geht darum, so die normative Leitidee der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Ökologie und Soziales in ihren Interdependenzen zu sehen, d.h. wirtschaftlichen Wohlstand mit sozial gerechten Verhältnissen zu verbinden und dabei die Umweltbelastungen zu minimieren, die natürlichen Ressourcen zu schonen und künftigen Generationen keine Lasten aufzubürden, die ihre Lebenschancen beeinträchtigen.

Neugierig geworden? Ausführlichere Informationen zur nachhaltigen Entwicklung finden Sie beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und im Lexikon der Nachhaltigkeit

Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)?

“Bildung ist eine unerläßliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Fähigkeit der Menschen, sich mit Umwelt- und Entwicklungsfragen auseinanderzusetzen.”

Agenda 21 (Kapitel 36), 1992

Schüler/innen, die zukünftig Wirtschaft, Politik und Kultur mitbestimmen, sind heute vor schwierige Aufgaben gestellt. Wie werden sie umgehen mit den Herausforderungen der Globalisierung, der Klimaveränderung, den sozialen Spannungen vor der eigenen Haustür, aber auch der Armut in den Ländern des Südens?

Eine Antwort bietet Bildung für nachhaltige Entwicklung, für die das Konzept der “Gestaltungskompetenz” formuliert wurde. Damit wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können. Das heißt, aus Gegenwartsanalysen und Zukunftsstudien Schlussfolgerungen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit ziehen und darauf basierende Entscheidungen treffen, verstehen und umsetzen zu können, mit denen sich nachhaltige Entwicklungsprozesse verwirklichen lassen.

Ausführliche Informationen und Materialien finden Sie auf dem Internet-Portal Bildung für nachhaltige Entwicklung und der Website des Programms Transfer-21.

Was sind Schülerfirmen?


Schülerfirmen sind von Schüler/innen selbst geleitete Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten oder Produkte herstellen und verkaufen. In den meisten Fällen finden diese Aktivitäten außerhalb des regulären Unterrichts statt, zum Beispiel im Rahmen einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft. Einige sind aber auch in das Pflichtcurriculum integriert. In Deutschland wurden in den 80er Jahren die ersten Schülerfirmen gegründet. Sie lassen sich auf das in den 60er Jahren in Großbritannien und Irland entwickelte Bildungskonzept “Education for Enterprise” zurückverfolgen.

Was zeichnet Schülerfirmen aus?

  • Schülerfirmen basieren auf einem neuen Lernkonzept: Es handelt sich um eine projektorientierte, ganzheitliche Lernform.
  • Die Schüler/innen erwerben mit persönlichem Engagement fachliche, personale und soziale Kompetenzen für die Schule, den Alltag und den Beruf.
  • Immer wieder wird berichtet, dass durch die Mitarbeit in einer Schülerfirma die Lernmotivation auch für den klassischen Unterricht gestärkt wird.
  • Schulen mit Schülerfirmen zeichnen sich durch weniger Konflikte und eine hohe soziale Integrationskraft aus: Partizipation, Selbsttätigkeit, kooperatives Tätigsein führt zur Gemeinschaftlichkeit und zu sachlicher Problemlösung.
  • In Schülerfirmen erwerben die jungen Mitarbeiter/innen Grundqualifikationen für einen Erfolg versprechenden Einstieg in die berufliche Laufbahn.
  • Wird den Schüler/innen über ihre Tätigkeit ein Arbeitszeugnis ausgestellt, so hat dies bei Bewerbungen ein hohes Gewicht. Es ist für viele Unternehmen aussagekräftiger als die Zeugnisnoten und damit ein bedeutendes Einstellungskriterium.
  • Gut geführte Schülerfirmen fördern nachweislich Wirtschaftskenntnisse und das Unternehmertum.

Welche Initiativen zu Schülerfirmen gibt es?


In den 90er Jahren und während der ersten Dekade des neuen Jahrtausends haben verschiedene Programme und Projekte zur Verbreitung der Schülerfirmen in Deutschland beigetragen, so etwa das von der Bund-Länder-Kommission (BLK) initiierte Modellprogramm “Erziehung zu Eigeninitiative und Unternehmensgeist”, das Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) mit dem Titel “SCHÜLER UNTERNEHMEN was!” und das JUNIOR-Projekt des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (DIW). In Niedersachsen war es der Verdienst des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes NaSch21, den Aspekt des nachhaltigen Wirtschaftens stärker in die Schülerfirmenarbeit zu integrieren. Neben diesen Programmen und Projekten gibt es in etlichen Bundesländern Netzwerke (z.B. Brandenburg, Berlin, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen), die engagierten oder interessierten Akteuren eine Plattform zum Austausch sowie konkrete Beratungsangebote bereitstellen.

Warum Nachhaltige Schülerfirmen - was zeichnet sie aus?


Einen besonderen Stellenwert haben Schülerfirmen im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Ziel ist es, “Schülerinnen und Schüler zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte, demokratischer Grundprinzipien und kultureller Vielfalt zu befähigen” (KMK/DUK 2007). Schülerfirmen, die über den gegenwärtigen nicht-nachhaltigen wirtschaftlichen Horizont hinausweisen, indem sie die ökologischen, sozialen und globalen Implikationen ihrer Aktivitäten kritisch hinterfragen, können sich zu einer Nachhaltigen Schülerfirma entwickeln und ihren Mitarbeiter/innen den Erwerb zukunftsfähiger Kompetenzen ermöglichen.

In der Praxis bedeutet dies, dass Nachhaltige Schülerfirmen durchaus wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, dabei aber ökologische und soziale Fragestellungen berücksichtigen sowie spezifische Vorkehrungen für ein nachhaltiges Wirtschaften treffen. Wie können wir in unserer Firma Ressourcen einsparen, auf nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien setzen und bei der Produktion Schadstoffe und Abfälle vermeiden? Unter welchen Bedingungen werden die Produkte, die wir verkaufen oder bearbeiten, produziert? Wie können wir durch unsere Arbeit oder mit den Gewinnen, die wir erzielen, einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung leisten? Und welchen Stellenwert haben Fragen der sozialen Gerechtigkeit eigentlich in unserer eigenen Firma?

Das Interesse an Nachhaltigen Schülerfirmen, die im Focus von Untersuchungen stehen, hat im Wesentlichen drei Gründe: Erstens ist gesamtgesellschaftlich gesehen die Orientierung an nachhaltiger Entwicklung für die Zukunft alternativlos. Nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Bildung, Forschung, Wirtschaft und Soziales wird durch die Politik stark unterstützt und ist als gesellschaftliches Ziel wie kaum ein anderes konsensfähig. Nachhaltige Entwicklung ist zweitens zugleich ein Themenfeld, das Jugendliche in hohem Maße interessiert, wie Jugendstudien immer wieder belegen. Umweltschutz, Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich, das sind – neben der Familie – die zentralen Felder, in denen sich die Jugendlichen gerne engagieren wollen. Die Orientierung an der Nachhaltigkeit ist daher bei Jugendlichen außerordentlich resonanzfähig. Sie wirkt zudem sinnstiftend für ein Milieu, das unter Orientierungslosigkeit und Sinnverlusten leidet. Die Mitarbeit der Jugendlichen in Nachhaltigen Schülerfirmen befähigt sie, zukunftsfähig zu agieren. Drittens schließlich ist nachhaltigen Schülerfirmen unter pädagogischen Gesichtspunkten gegenüber nicht nachhaltigen der Vorzug zu geben. Das Argument ist ebenso schlicht wie schlagkräftig: Schulisches Lernen folgt dem “Bevorratungskonzept” (Weinert). Es dient der Bewältigung und Gestaltung künftiger Lebenssituationen. Für die Zukunft aber gilt, dass es keine Alternative zu Nachhaltigen Entwicklungsprozessen gibt. So verbietet sich letztlich ein Lernen, das nur zu nicht nachhaltigem, unternehmerischem und alltäglichem Handeln führt aus der Verantwortung für die Zukunft der Lernenden heraus.

Weitere Informationen zu Nachhaltigen Schülerfirmen finden Sie auf der Seite Materialien unter “Texte und Literatur” sowie auf der Seite Links.

Warum eine Multiplikatorenausbildung “Nachhaltige Schülerfirmen”?

Bereits zum Abschluss des Programms Transfer-21 wurde deutlich, dass die Suche nach innovativen Strukturen, die die Qualität der Ausbildung an unseren allgemeinbildenden Schulen verbessern helfen, intensiviert werden muss. Dabei wurde an der Freien Universität Berlin versucht, nachfolgend genannte Initiative anzuschieben. Leider ohne Erfolg. Obwohl die Kosten nicht einmal so hoch sind, haben die allermeisten Länder zwar großes Interesse bekundet, aber mit Verweis auf die Haushaltslage Abstand davon genommen.

Eine Analyse der Situation der Jugendlichen bildete die Grundlage für den Entwurf der bundesweit angelegten Initiative. Hier nun die wichtigsten Auszüge aus dem Text, der den Anstoß zu dieser Multiplikatorenausbildung gab. Die Initiative war überschrieben mit:

“Jugendliche aus bildungsfernen Milieus stärken – Nachhaltige Schülerfirmen bundesweit”

Sie startete mit einer Analyse der Ausgangslage, welche zeigte, dass

“(…) Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderungsbedarf und jene aus bildungsfernen Milieus schwache Schulleistungen zeigen und nur schwer einen betrieblichen Ausbildungsplatz oder auch Einstieg in den Arbeitsmarkt finden. Ihnen fehlen soziale, personale und sachliche Kompetenzen. Dieses wird immer wieder beklagt. Durch die Tätigkeit in Schülerfirmen lassen sich ihre Kompetenzen nachweislich verbessern. Das gilt nicht nur für die Sachkompetenz, sondern auch für die sozialen Kompetenzen (Kooperationsfähigkeit, Engagement) und die personalen Kompetenzen (Pünktlichkeit, Ordnung, Gewissenhaftigkeit), aber auch für ihre Selbstwirksamkeitserwartung ["ich kann was"]). Höhere Kompetenzen in diesen Bereichen fördern ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ihre gesellschaftliche Integration.

Wenn diese “schwachen” Schülerinnen und Schüler in guten Schülerfirmen aktiv sind, dann verbessert sich zunächst ihre Lernmotivation insgesamt und ihre schulische Leistungsfähigkeit nachweislich. Die soziale Integration wird verbessert, und ebenfalls ihre Vermittlungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt.

Dieses betrifft folgende Aspekte im Detail:

  • Schülerfirmen basieren auf einem neuen Lernkonzept: Es handelt sich um eine projektorientierte, ganzheitliche Lernform, die dieser Schülerschaft angemessen ist.
  • Sie erwerben mit persönlichem Engagement fachliche, personale und soziale Kompetenzen für die Schule, den Alltag und den Beruf, die mit klassischem Unterricht oftmals nur noch schwer zu erreichen sind.
  • Immer wieder wird berichtet, dass durch die Mitarbeit in einer Nachhaltigen Schülerfirma die Lernmotivation auch für den klassischen Unterricht gestärkt wird.
  • Schulen mit Schülerfirmen zeichnen sich durch weniger Konflikte und eine hohe soziale Integrationskraft aus: Partizipation, Selbsttätigkeit, kooperatives Tätigsein führt zur Gemeinschaftlichkeit und sachlicher Problemlösung.
  • Wird den Schülerinnen und Schülern über ihre Tätigkeit ein Arbeitszeugnis ausgestellt, so hat dieses Portfolio bei Bewerbungen ein hohes Gewicht. Es ist für viele einstellende Unternehmen aussagekräftiger als die Noten eines Zeugnisses und damit ein bedeutendes Einstellungskriterium.
  • Ein frühes, längerfristiges Kennen lernen der Arbeitswelt durch die Schülerinnen und Schüler im Zuge der Kooperation zwischen lokalen Unternehmen und der Schülerfirma macht die Personen mit ihren Kompetenzen für die Unternehmen transparent. Häufig wird berichtet, dass der persönliche Kontakt zur Einstellung der Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss führt, auch wenn die auf dem Schulzeugnis ausgewiesenen Leistungen normalerweise nicht zu einer Einstellung geführt hätten.
  • Gut geführte Schülerfirmen fördern nachweislich Wirtschaftskenntnisse und das Unternehmertum. Einer internationalen Studie ist zu entnehmen, dass sich rund 20% der Schülerinnen und Schüler aus Schülerfirmen im späteren Leben selbstständig machen (Quote der Selbstständigen in Deutschland: 10% aller Erwerbstätigen, ca. 5% der Bevölkerung).”

Den Initiatoren war es wichtig aufzuzeigen, dass eine Nachhaltige Schülerfirma aus pädagogischer Sicht ein Lernarrangement ist, das die Ausprägung persönlichkeitsbestimmender Kompetenzen unterstützt. Der Entwurf erläuterte dann, weshalb es unbedingt Nachhaltige Schülerfirmen sein sollen:

Gesamtgesellschaftlich gesehen ist die Orientierung an nachhaltiger Entwicklung für die Zukunft alternativlos. Nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Bildung, Forschung, Wirtschaft und Soziales wird durch die Politik stark unterstützt und ist als gesellschaftliches Ziel wie kaum ein anderes konsensfähig.

Nachhaltige Entwicklung ist zugleich ein Themenfeld, das Jugendliche in hohem Maße interessiert, wie Jugendstudien immer wieder belegen. Umweltschutz, Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich – das sind – neben der Familie – die zentralen Felder, in denen sich die Jugendlichen gerne engagieren wollen. Die Orientierung an der Nachhaltigkeit ist daher bei Jugendlichen außerordentlich resonanzfähig. Sie wirkt zudem sinnstiftend für ein Milieu, das unter Orientierungslosigkeit und Sinnverlusten leidet. Die Mitarbeit der Jugendlichen in Nachhaltigen Schülerfirmen befähigt sie, zukunftsfähig zu agieren.

Nachhaltige Schülerfirmen haben sich in der Praxis speziell in Niedersachen außerordentlich bewährt. Sie verzeichnen einen exponentiellen Zuwachs in kürzester Zeit (aktuell: ca. 250 Nachhaltige Schülerfirmen, davon rund 200 an Schulen mit eher “schwächeren” Schülerinnen und Schülern). In Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern liegen bereits einige Erfahrungen mit Nachhaltigen Schülerfirmen vor. Es existieren hohe fachliche Kompetenzen und Materialien für Fortbildungen in Niedersachsen. Ferner liegen Rechtsgutachten zu den Nachhaltigen Schülerfirmen vor, die den Schulen, Lehrkräften und in den Firmen Tätigen Rechtssicherheit bieten. Zudem besteht in Niedersachsen eine vorbildliche, tragfähige und zukunftsweisende Kooperationen mit dem Genossenschaftsverband Norddeutschland (GVN).

Die Ausprägung Nachhaltiger Schülerfirmen für Jugendliche aus bildungsfernen Milieus und für Jugendliche mit besonderem Förderungsbedarf ist in den anderen Bundesländern nicht so intensiv und auf so hohem Niveau wie in Niedersachsen gegeben.”

Im Entwurf wird aufgrund dieser Ausgangslage vorgeschlagen:

“(…) eine bundesweite Initiative zu ergreifen, um Nachhaltige Schülerfirmen insbesondere für die Jugendlichen aus bildungsfernen Milieus und jene mit besonderem Förderungsbedarf möglichst flächendeckend zu etablieren.

In den sich beteiligenden Ländern sollten spezielle Büros mit professionalisiertem Personal für Nachhaltige Schülerfirmen eingerichtet werden. Diese haben eine aktivierende, beratende und unterstützende Funktion für die Schulen, Lehrkräfte, Unternehmen und Kommunen.

Es sollte eine enge Kooperation mit der Bundesagentur bzw. den Landesagenturen für Arbeit und den Wirtschaftsministerien der Länder sowie den Genossenschaftsverbänden erfolgen.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Büros und ausgewählte Lehrkräfte sollten im Rahmen einer Multiplikatorenausbildung systematisch für ihre Aufgaben geschult werden.

Über die Leistungsfähigkeit von Schülerfirmen gibt es zahlreiche erfahrungsgesättigte Aussagen, aber nur wenig belastbare systematisch erhobene Daten. Es bedarf einer systematischen Evaluation mit mehreren Messzeitpunkten, um die Leistungsfähigkeit der Nachhaltigen Schülerfirmen solide nachzuweisen. Dieses betrifft den Transfer des Konzeptes, die Erfassung der Lernleistungen und Lernmotivationen, aber auch den Umgang mit Unsicherheit bei den Jugendlichen.

Für niveauvolle Schülerfirmen sollten Mindest- und Regelstandards formuliert werden, um sie von wenig komplexen Aktivitäten zu unterscheiden (z.B. sollte es Mindeststandard sein, dass ein Businessplan, eine ordentliche Buchführung und eine systematische Betriebsstruktur vorhanden ist und dass die Firma am realen Markt mit Produkten oder Dienstleistungen unter Beachtung der steuerlichen Geringfügigkeitsgrenzen agiert).

Die Koordination der Initiative (Fortschreibung des Konzeptes; kooperative Entwicklung von Handreichungen, Workshops, Tagungen, Etablierung eines bundesweiten Netzwerkes, Evaluation und Forschung) könnte aufgrund der vorliegenden Expertise durch die Freie Universität Berlin erfolgen.”

Zur Laufzeit und den Ressourcen gab es folgende Überlegungen:

“Um die Initiative zum Erfolg zu führen, sollte sie eine Laufzeit von fünf Jahren haben mit dem Ziel, an mindestens 25% der einschlägigen Schulen (Förder- und Hauptschulen, Gesamtschulen, und verwandte Schulformen) Nachhaltige Schülerfirmen zu etablieren. Nach drei Jahren Laufzeit sollten mehr als 12% der Schulen Nachhaltige Schülerfirmen etabliert haben (Sollbruchstelle für das Projekt).

Die Initiative könnte mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 starten.

Mit Ablauf des Projektes sollten die Büros fortbestehen. Ihre Weiterfinanzierung ist während der Programmlaufzeit zu klären und zu sichern.

Die Büros benötigen eine personelle Ausstattung. Es sollte geprüft werden, ob die Bundesagentur für Arbeit bzw. deren Landesagenturen im Rahmen ihrer Aktivitäten für lernschwache Schüler die Büros für Nachhaltige Schülerfirmen mitfinanzieren kann. Ein positives Signal liegt vor. Auch andere Förderungen (durch Stiftungen und Unternehmen) sind denkbar.

Von Seiten der Länder sollten Freistellungen von Lehrkräften für die fünfjährige Entwicklungsphase erfolgen. Der Umfang der Freistellungen wäre zu klären. Die Ressourcen könnten aus den Kompensationsmitteln des Bundes gewonnen werden, die durch den Wegfall der bisherigen Gemeinschaftsaufgabe “Bildungsplanung” den Ländern zukommen, zumal die Mittel laut KMK im Wesentlichen für übergreifende Innovationsprojekte genutzt werden sollen.

Die Multiplikatorenausbildung kann durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert werden.”

Der Text beleuchtete dann die bereits bestehenden Initiativen und ging der Frage nach, warum die bestehenden Initiativen zu Schülerfirmen nicht hinreichen und stellte den Bezug zur UN-Dekade her:

“(…) Wie betont, gibt es zahlreiche Initiativen in den Ländern, Schülerfirmen zu etablieren. Vier wesentliche Gründe seien genannt, warum die hier beschriebenen Aktivitäten notwendig sind:

  1. Die Zahl der Schülerfirmen ist gering. Erstes Ziel ist daher die Expansion. Dieses ist auch notwendig, da oftmals nur eine Schülerfirma an einer Schule existiert. Es geht also um die Ausweitung auf eine möglichst große Zahl der beteiligten Schulen und die Ausweitung der Zahl der Firmen in einer Schule.
  2. Das Niveau, auf dem die Schülerfirmen arbeiten, ist sehr unterschiedlich. Immer noch fehlt in der Regel ein Businessplan, eine gehaltvolle Struktur der unternehmerischen Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler und oftmals fehlt es auch an Qualifikation der betreuenden Lehrkräfte. Zweites Ziel ist also die deutliche, verbindliche und überprüfbare Qualität der Schülerfirmen.
  3. Schülerfirmen sind in der Hauptsache eine Angelegenheit von Schulen sowie Schülerinnen und Schülern, die als bildungsnah gelten können. Gerade für die schwächeren Schülerinnen und Schüler, für bildungsferne Milieus scheinen sie aber besonders ertragreich zu sein. Dritte Ziel ist es daher, besonders die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Milieus und diejenigen Schulen anzusprechen, an denen sich die Schülerinnen und Schüler aus diesem Milieu häufen.
  4. Zur nachhaltigen Entwicklung gibt es national wie international keine Alternative. Schule dient der Befähigung zur zukünftigen Gestaltung des eigenen guten Lebens in einer gut funktionierenden Gesellschaft. Von daher kann man auch sagen, dass eine Schülerfirma, die nicht an der Nahhaltigkeit orientiert ist, das pädagogische Ziel, eine zukunftsfähige Bildung zu vermitteln, verfehlt. Daher ist das vierte Ziel, Schülerfirmen als nachhaltige zu etablieren oder sie in diese zu transformieren.

Die Dekade der Vereinten Nationen “Bildung für nachhaltige Entwicklung” (2005-2014) ist in keinem Land weltweit so gut aufgestellt wie in Deutschland. Wir genießen international ein außerordentliches Renommee. Das hier beschriebene Projekt könnte in dem neuen Maßnahmenkatalog des Nationalen Aktionsplans einen dezidierten Beitrag der Länder zur Dekade markieren und international herausgestellt werden.”

Das Papier wurde auf verschiedensten Ebenen diskutiert und es war für die Initiatoren auch ein gutes Gefühl zu sehen, dass die Kerngedanken anerkannt wurden. Gleichzeitig verwies aber ein Großteil der Bundesländer auf die vielfältigsten Vorhaben und bereits ins Leben gerufenen Aktionen auf der Landesebene. Lediglich an einer Multiplikatorenausbildung konnte sich die Hälfte der Bundesländer eine Mitbeteiligung vorstellen. Nach der Förderzusage durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) begann die Arbeit an dem Programm für eine Ausbildung von “Multiplikatoren für Nachhaltige Schülerfirmen”.